Weniger ist mehr - Ludwig Mies van der Rohe - Photo by Kaboopics.com from Pexels
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Sichtweise ändern & einfacher, nachhaltiger leben

Das Wort „weniger“ hat in unserer Gesellschaft einen schlechten Ruf. Warum sollten wir weniger von etwas haben, wenn wir mehr haben können? Daher ist es nicht verwunderlich, dass nachhaltiger leben oft mit Verzicht in Verbindung gebracht wird. Egal, was wir tun um nachhaltiger zu leben, es scheint, dass wir oft „Nein“ sagen müssen. „Nein“ zum Shoppen, „Nein“ zu Plastik, „Nein“ zu Fleisch, „Nein“ zum Auto fahren, „Nein“ zum Fernurlaub. Doch hast du dich auch schon mal gefragt, warum das so ist?

Für das Dilemma gibt es zwei Gründe:

  1. Unsere Gewohnheiten: Für die meisten von uns bedeutet ein nachhaltigerer Lebensstil Veränderung. Wir müssen alte Gewohnheiten ablegen und uns neue aneignen. Daher müssen wir zu vielen Dingen, die wir gewöhnlich tun, „Nein“ sagen.
  2. Unsere Gesellschaft: Unsere Gesellschaften sind nicht auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit aufgebaut, wodurch es nicht immer einfach ist nachhaltiger zu leben. Daher ist es oft einfacher, irgendwohin zu fahren als öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen oder Lebensmittel in Plastikverpackungen zu kaufen anstatt lose.

Daher scheint es oft so als sei es mehr Aufwand als Freude nachhaltiger zu leben. Als müssten wir öfter verzichten, als dass wir uns etwas gönnen können. Doch das muss nicht so sein. Mit den folgenden 5 Tipps können wir unsere Sichtweise ändern und mehr Spaß am nachhaltigeren Leben finden.

Perspektivwechsel

Was möglich ist und was nicht, hängt oft von unserer Sichtweise ab. Daher erfordert ein nachhaltigerer Lebensstil nicht nur eine Änderung der Gewohnheiten, sondern auch unserer Sichtweise. Hauptsächlich geht es darum, dass wir weniger mehr Wert schätzen.

Viele von uns kaufen zum Beispiel Kleidung bei Fast-Fashion-Händlern, da umweltfreundlich und fair hergestellte Kleidung im Vergleich zu teuer scheint. Früher habe ich das auch gemacht. Ein Umstieg auf fair hergestellte Kleidung können sich viele von uns daher schlicht und einfach nicht leisten. Zumindest wenn wir weiterhin die gleiche Menge an Kleidung kaufen wollen.

Doch wir können dieses Problem lösen, indem wir weniger, aber besser kaufen. Seit ein paar Jahren achte ich darauf, dass ich Kleidungsstücke aus natürlichen, und wenn möglich biologisch angebauten, Materialien kaufe. Ich versuche auch von Unternehmen zu kaufen, die fair herstellen, wenn ich neu kaufe und shoppe auch viel mehr second-hand. Insbesondere die neuen Kleidungsstücke schätze ich mehr Wert und pflege sie, damit sie möglichst lange halten. Seitdem ich weniger, aber besser kaufe, kenne ich zudem meinem Stil viel besser und weiß was ich mag und was nicht (denn schließlich möchte ich einen Fehlkauf der Umwelt und des Geldes wegen vermeiden).

Gemischt mit Second Hand kann der Kauf von umweltfreundlich und fair hergestellter Kleidung ganz einfach an verschiedene Budgets angepasst werden.

Wenn wir weniger mehr Wert schätzen, dann werden viele Dinge, die wir derzeit für selbstverständlich halten, auch wieder zu etwas Besonderem. Unsere Kleidung wird etwas Besonderes, weil sie sorgfältig ausgewählt wurde. Das Essen von Fleisch wird etwas Besonderes, weil wir es nicht jeden Tag essen. Das Fliegen in den Urlaub wird etwas Besonderes, weil wir es nicht mehr so ​​oft tun.

Und so bringt Nachhaltigkeit das Besondere in unser Leben und das fühlt sich gut an! Wenn wir lernen weniger mehr Wert zu schätzen, können wir auch endlich mit dem, was wir haben zufrieden zu sein. Anstatt uns nach immer mehr zu sehnen, können wir endlich sagen, dass wir genug haben – dass wir mit dem, was wir haben, glücklich sind!

Indem wir unsere Sichtweise ändern, geht es beim nachhaltigen Leben nicht um Verzicht, sondern um Wertschätzung: Mit weniger kommt besser, mit besser etwas Besonderes. Das Besondere bringt Wertschätzung mit sich und die Wertschätzung die Zufriedenheit.

Entscheidungen einfacher gemacht

Manchmal bzw. ziemlich oft gibt es beim Einkaufen nicht die perfekte nachhaltige Option und dann bleibt uns nichts anderes übrig als einen Kompromiss zu machen. Um den Entscheidungsprozess einfacher zu machen, kann es helfen sich Regeln zu setzen. Zum Beispiel wäre im Supermarkt die ideale, nachhaltige Option beim Kauf von Obst und Gemüse saisonale, biologisch angebaute und unverpackte Produkte zu kaufen. Doch das ist aus verschiedenen Gründen oft nicht möglich. In diesem Fall helfen kleine Regeln:

  • Saisonal einkaufen: Gemüse- und Obstsorten wie Tomaten und Beeren in der Saison kaufen. Dann schmecken sie nicht nur besser, sondern haben wahrscheinlich auch einen kleineren Fußabdruck. Denn Beeren außerhalb der Saison werden meistens per Flugzeug aus dem Ausland angeliefert.
  • Bio: Wenn saisonal nicht verfügbar ist und die Waren aus dem Ausland kommen, kaufe Bio, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen.
  • Ohne Plastik: Saisonales und regionales Gemüse und Obst unverpackt kaufen und wenn möglich auch noch Bio. So unterstützt du die regionale Landwirtschaft.

Unterwegs können auch ein paar Regeln hilfreich sein, um unnötigen Abfall zu vermeiden. Kaufe zum Beispiel kein To-Go Getränk, wenn du keine wiederverwendbare Tasse dabei hast. So vergisst du sie beim nächsten Mal bestimmt nicht. Wenn Willenskraft jedoch nicht deine Stärke ist, dann versuche immer eine Tasse in deiner Tasche zu haben.

Mit der Zeit habe ich dann auch den Schritt gewagt und radikalere Entscheidungen getroffen. Zum Beispiel habe ich „Nein“ zu Fast Fashion und „Ja“ zu Second Hand und ethischer Kleidung gesagt. Ich habe „Nein“ zum Fliegen und „Ja“ zum Zugreisen gesagt. Jede Änderung ist viel einfacher umzusetzen, wenn du dir vorstellst, zu etwas Neuem „Ja“ zu sagen, anstatt zu einer alten Gewohnheit „Nein“ zu sagen. So wird jede Veränderung zu einem kleinen Abenteuer, auf dem es etwas Neues zu entdecken gibt.

Die Veränderungen werden mit der Zeit zu neuen Gewohnheiten etablieren, die nachhaltiger zu leben einfacher machen.

Ausnahmen

Im täglichen Leben gibt es manchmal keine umweltfreundlichere, nachhaltigere Alternative oder in der Eile haben wir keine Zeit verschiedene Optionen abzuwägen. Dann bleibt uns oft nichts anderes übrig als eine Ausnahme zu machen. Weder wir, noch die Welt um uns herum ist perfekt. Das Beste, was wir tun können, ist daraus zu lernen – beim nächsten Mal können wir es besser machen.

Oft können wir besser wählen, indem wir uns für weniger entscheiden. Doch immer wieder gibt es keine bessere Alternative und die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist eine Ausnahme zu machen. Dies gilt zum Beispiel für Produkte, die in Einwegplastik eingewickelt sind, ebenso wie für Aktivitäten wie z. B. Fliegen. Ein besonderer Urlaub bedeutet daher leider auch hohe CO2-Emissionen.

Ein Gleichgewicht finden

Einige Bereiche in unserem Leben lassen sich nur schwer nachhaltiger gestalten, wenn wir derzeit keine andere Wahl haben. Vielleicht musst du ja zur Arbeit fahren, da dein Arbeitsplatz zum Radfahren zu weit entfernt ist oder öffentliche Verkehrsmittel nicht verfügbar sind. In diesem Fall brauchen wir Systemänderungen, die es uns einfach machen nachhaltiger zu leben.

Dort wo wir leben bestimmt das Design der Infrastruktur wie nachhaltig wir Reisen können. Leider sind viele von uns derzeit vom Auto abhängig um ans Ziel zu kommen. Daher ist es wichtig, dass wir uns für den Ausbau von Fuß- und Radwegen sowie öffentlichen Verkehrsmitteln stark machen, sodass wir das Auto öfters mal zu Hause stehen lassen können. Mit Carsharing könnten wir es dann vielleicht auch wagen unser Auto abzugeben und ein Auto für einige Stunden oder Tage zu mieten, wenn wir es brauchen.

In der Zwischenzeit ist unsere beste Option, das Auto fahren zu vermeiden, wann immer wir können. Autofreie Tage oder Wochenende können uns dabei helfen bewusster das Auto stehen zu lassen.

Spaß haben

Besonders zu Beginn ist es nicht einfach alte Gewohnheiten durch nachhaltigere zu ersetzen. Setze dir daher am Anfang am Besten einfache Herausforderungen, die dir Spaß machen. Dies wird dir helfen, motiviert zu bleiben. Und denke daran, mit der Zeit wird es einfacher, insbesondere wenn du herausgefunden hast wie du eine neue Herausforderung am besten angehst.

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